Das Märchen vom Stamm der Verhinderer und dem Stamm der Macher
Vor nicht allzu langer Zeit, in einem fruchtbaren Land zwischen grünen Hügeln und weiten Feldern, lebten zwei Stämme.
Der erste Stamm nannte sich die Macher. Sie bauten Häuser, pflanzten Bäume, reparierten Straßen und erfanden neue Dinge, damit das Leben für alle leichter und schöner wurde.
Der zweite Stamm nannte sich die Verhinderer. Ihre Aufgabe war es ursprünglich gewesen, aufzupassen, dass nichts Schlimmes geschah. Sie prüften, ob Brücken sicher und Brunnen sauber waren und dass niemand dem anderen schadete.
So lebten beide Stämme lange Zeit in guter Balance. Doch mit den Jahren geschah etwas Merkwürdiges.
Das Wachsen der kleinen Seile
Der Stamm der Verhinderer wuchs. Langsam zuerst – und dann immer schneller. Mehr und mehr Menschen wurden ausgebildet, um zu prüfen, zu kontrollieren, zu genehmigen und zu verbieten. Viele von ihnen waren kluge und fleißige Menschen. Doch sie merkten nicht, dass ihre Arbeit sich verändert hatte.
Jeder Verhinderer bekam ein kleines Seil. Mit diesem Seil band er einen kleinen Knoten an die Hände oder Füße eines Machers. Nicht fest – nur ein bisschen.
Nur zur Sicherheit
So sagten sie.
Ein Seil tat nicht weh. Zwei Seile waren kaum zu spüren. Doch nach zwanzig Jahren hielten Tausende Verhinderer kleine Seile in den Händen. Und die Macher lagen – wie ein schlafender Riese – immer häufiger gefesselt am Boden.
Die Felder wurden weniger bestellt. Die Straßen bekamen Risse. Die Brunnen wurden alt. Und viele junge Menschen verließen das Land, weil sie woanders freier arbeiten konnten.
Die große Frage
Eines Tages, als viele Verhinderer alt geworden waren und ihre Lebensarbeit betrachteten, stellten sie sich unbequeme Fragen:
Warum gibt es plötzlich nicht mehr genug Geld für unsere Renten?
Warum sind die Straßen kaputt?
Warum fehlen Ärzte und Krankenhäuser?
Warum zieht die Jugend fort?
Da traten zwei der alten und sanften Stammesweisen hervor. Sie stellten dem Stamm eine einfache Frage:
Sagt uns: Hat eure Arbeit mehr verhindert – oder mehr ermöglicht?
Und sie fragten weiter:
Hat eure tägliche Arbeit das Leben der Menschen verbessert?
Konnten die Menschen nach ihrer Fasson glücklich werden?
Würde man euch vermissen, wenn eure Aufgabe morgen verschwände?
Oder wäre es vielleicht sogar besser für alle?
Die Erkenntnis
Der Stamm wurde still. Langsam schauten die Menschen auf ihre Hände. Und plötzlich sahen sie es. Fast jeder Verhinderer hielt ein kleines Seil. Und am anderen Ende dieser Seile lagen die Macher.
- Die Schmiede.
- Die Bauern.
- Die Handwerker.
- Die Erfinder.
Viele der Verhinderer erschraken.
Das wollten wir doch nie. Wir wollten doch nur helfen.
Der große Moment
Da geschah etwas, das niemand erwartet hatte. Ein Kind aus dem Stamm rief plötzlich:
Wenn wir die Seile loslassen, können die Macher wieder aufstehen!
Erst ließ einer sein Seil los. Dann ein zweiter. Dann ein dritter. Und plötzlich ließen alle ihre Seile fallen.
Die Macher standen auf. Sie bauten neue Häuser. Sie reparierten Straßen. Sie pflanzten Obstbäume. Sie eröffneten Werkstätten und Schulen. Das Land begann wieder zu blühen.
Und die Menschen spürten etwas, das sie lange nicht gefühlt hatten: Zuversicht.
Der Schwur des Stammes
Der Stamm der Verhinderer sagte:
So etwas darf nie wieder geschehen.
Darum gründeten sie ein neues Amt. Sie nannten es das Ministerium der Macher. Seine Aufgabe war eine ganz besondere: Nicht zu verhindern. Sondern darauf zu achten, dass niemand unnötig verhindert.
Und in die Stammesverfassung schrieben sie einen neuen Satz:
Jeder Mensch hat das Recht, in der Branche der Macher zu arbeiten. Niemand darf gezwungen sein, ein Teil der Verhinderer zu sein.
Und sie beschlossen noch etwas: Wenn irgendwo neue Verhinderer entstehen, soll zuerst gefragt werden:
Hilft das den Menschen wirklich? Oder bindet es nur wieder kleine Seile?
Und seit jener Zeit erzählen sich die Menschen im Land eine einfache Weisheit:
Halte niemals ein Seil, das einen Macher am Boden hält.
Und so lebten sie – arbeitend, bauend, lachend und ermöglichend – glücklich bis an ihr Lebensende. 🌱
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